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Frau Wick, Frau Zürcher, lassen sich eigentlich Werbung und Kleinkinder unter einen Hut bringen?
Diana: Sehen Sie, man behauptet ja noch immer, dass nur dann gute Werbung entsteht, wenn man (mindestens!) bis Mitternacht über einer Idee brütet, sie dann bis morgens um zwei layoutet, bis morgens um vier in die Präsentation einbindet, um sie morgens um neun dem Kunden zu präsentieren. Das ist Chabis! Bei Martin Spillmann, später bei Peter Brönnimann und noch später (also jetzt jetzt) mit Pam Hügli und Christian Baertschi habe ich gelernt, dass dem ganz und gar nicht so sein muss. Wenn da jemand ist, der die richtigen Entscheidungen, ja überhaupt Entscheidungen trifft, dann kann man sich voll und ganz auf die guten Ideen konzentrieren. Und mit den Jahren denkt und schreibt man ja auch ein wenig schneller, als noch zu Beginn der Werberkarriere. Was ich damit sagen will: Man kann durchaus beizeiten nach Hause gehen, um die Kinder noch zu sehen und sie ins Bett zu bringen. Das ist mir heilig, mit ein paar wenigen Ausnahmen. Die Konklusio für mich: Wähle deinen Arbeitgeber, deinen Jobpartner deshalb weise! Gerade als Mutter und deshalb Teilzeitarbeitende ist es enorm wichtig, dass man sich nicht konstant entschuldigen muss, weil man eben die Wochentage und damit die Betreuung nicht dauernd schieben kann.
Aber die Frage ist berechtigt: Wo sind denn all die talentierten Frauen in der Werbung, die irgendwann Mütter geworden sind? Finden die alle Werbung jetzt plötzlich doof? Oder hatten sie einfach nicht das Glück, das ich hatte?
Klara: Ich bin auch der Meinung, dass das geht. Fakt ist aber auch, dass sich mancher Arbeitgeber davor scheut, Lösungen zu suchen und neue Wege zu gehen. Da heisst es dann (vor allem auch für Väter): 100 Prozent oder gar nix. Zum Glück war Christian Baertschi offen für ein Teilzeitpensum, wie ich mir das wünschte. Zudem hatte ich als Beratungsgruppenleiterin das Glück, ein starkes Team hinter, vor und neben mir zu haben – samt vertrauensvoller Kundenbeziehung. Und dass ich schon vor meinem Teilzeitpensum in derselben Rolle tätig war, hat sicherlich auch geholfen. Schliesslich kannten mich Kunden und Team bereits und wussten, wie ich arbeite.

Inwiefern beeinträchtigt dies Ihre Arbeit?
Klara: Wer schon mal versucht hat, Kleinkinder zu „managen“, weiss, dass man danach mit jeder Stresssituation fertig wird. Somit: Das Mamasein hat mein Arbeitspensum beeinflusst – aber ganz bestimmt nicht negativ. Menschen mit Hobbys, also einem Leben ausserhalb der Arbeit, fand ich immer schon interessanter und inspirierender. So sehe ich es auch mit dem Muttersein.
Diana: Kinder eröffnen eine völlig neue Dimension an Emotionen. Und Emotionen sind gar nicht so cheiben schlecht bei der kreativen Arbeit. Zweitens: Männer werden ja auch nicht unkreativer, wenn sie Väter geworden sind, oder?

Kommt Ihnen der Arbeitgeber bei Ihrer Tagesplanung entgegen?
Klara: Die Agenturleitung hat sich von Anfang an sehr kulant und offen gezeigt und mir immer vollstes Vertrauen entgegengebracht. Ausnahmesituationen sind rar, denn die Kinderbetreuung ist gut organisiert. So auch die Arbeit in der Agentur. Trotzdem ist es schön zu wissen, dass man in gewissen Fällen – wenn zum Beispiel ein Kind krank ist – zu Hause bleiben kann, ohne schlechtes Gewissen. Umso fokussierter ist man bei der Arbeit.
Diana: Ich habe das Glück, dass dies mehrheitlich so ist. Es ist ja nicht so, dass ich als Mutter der Agentur auf der Tasche liege. Ich gebe alles, wenn ich vor Ort bin. Und dann gehe ich nach Hause und gebe dort erneut alles. Das ist manchmal ganz schön anstrengend. Aber andere gehen nach der Arbeit noch zum Sport – fände ich ebenso anstrengend. So hat jeder sein Bürdeli zu tragen ...

Gibt es in der Werbung überhaupt Karrieremöglichkeit für berufstätige Mütter?
Diana: Ja. Unbedingt. Ausser, der Arbeitgeber definiert Karriere mit Sesselhocken, was meiner gottseidank nicht tut! Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Wenn man sein Kind nicht drei oder mehr Tage fremdbetreuen lassen möchte, dann muss man mit seinem Partner (und dieser mit seinem Arbeitgeber) eine geeignete Lösung finden. Ich hatte also nicht nur Glück mit meinem Arbeitgeber, sondern auch mit meinem Partner: Wir teilen uns nämlich die Kinderbetreuung. Beide haben ein gleich hohes Pensum – daheim und bei der Arbeit. Das erleichtert nicht alles, aber vieles. 
Klara: Ja, gibt es. Mit einem Teilzeitpensum aber nur dann, wenn der Arbeitgeber offen für neue und verschiedenartige Lösungen ist, die für die Angestellte, das Team wie auch für die Kunden befriedigend sind. Es ist lediglich eine Frage der Organisation, des Willens und der Bereitschaft, auch Angestellte mit einem reduzierten Pensum zu fördern. Und es ist ja nicht so, dass Mütter oder Väter, die Teilzeit arbeiten, weniger ambitioniert sind. Das ist ein Ammenmärchen. Und Märchen wiederum gehören nach Hause zu den Kindern.

Spüren Sie Verständnis für Ihre Situation oder gab es auch schon kritische Bemerkungen?
Klara: Es spricht für unsere Agenturkultur, dass ich reibungslos in eine Teilzeitstelle wechseln konnte. Ich fühlte mich stets von allen Seiten unterstützt. Und das wiederum hat mich motiviert, flexibel zu sein und, falls notwendig, auch an meinen Freitagen zu arbeiten.
Diana: Keine kritischen Bemerkungen, soweit ich mich erinnern kann (Sie wissen schon: Schwangerschaftsdemenz). Aber die jüngeren Frauen in der Agentur fragen viel, wie man das so auf die Reihe kriegt mit den Kleinkindern und dem Workload. Und es ist doch cool zu zeigen, dass das durchaus geht. Und zwar ohne, dass man die ganze Zeit auf dem Zahnfleisch läuft – dies wiederum würde ja dann gar keinen Spass mehr machen.

Welche Projekte betreuen Sie momentan?
Diana: Meine zwei Mädchen – ich bin noch bis Ende März im Mutterschaftsurlaub. Aber ich freue mich jetzt schon auf das zügige Hinunterlaufen zum Bahnhof, weil ich nicht bei jedem Schnäggli am Boden Halt machen muss.
Klara: Ich lerne gerade alles über Bagger und Lastwagen. Meine beiden Jungs stellen sicher, dass ich nicht träge werde und nach meinem Mutterschaftsurlaub wieder reibungslos in die Arbeitswelt einsteigen kann. Und übrigens: Für einen Kunden aus der Baubranche wäre ich jetzt die perfekte Beraterin. Entsprechende Angebote können gerne platziert werden.

Haben Sie sich aufgrund der jetzigen Situation auch schon überfordert gefühlt?
Diana: Klar. Hand aufs Herz: Wer nicht? Wer ist schon perfekt, flippt nie aus, nimmt alles gelassen, ist die Ruhe in Person und managt mal eben zwei kleine Kinder (in der Migros, an der Kasse beim Schleckzeug!) und die Ansprüche der Kunden und des Teams? Also ich bestimmt nicht. Aber das ist auch nicht mein Anspruch an mich selbst. Zudem entstehen aus dem Gefühl der Überforderung heraus oft tolle Arbeiten. Und danach wiederum das Gefühl, es eben doch zu packen, was also auch nicht zu verachten ist.
Klara: Ja. Wenn ich über längere Zeit zu wenig geschlafen habe, zum Beispiel. Oder wenn die Betreuung kurzfristig nicht klappt (unser Betreuungsprogramm umfasst neben der Krippe auch die Grosseltern). Aber ganz ehrlich: Ich kannte auch vor dem Spagat zwischen Job und Familie Situationen der Überforderung – schliesslich gehört das auch zu einem herausfordernden Job. Und wie Diana auch sagt: Oft entstehen gerade aus diesen Situationen heraus unerwartet kreative Lösungen. Sogar wenn man todmüde ist.

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